Reisetagebuch

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Bilder

2013-07-20

85. Tag: 49 Kilometer (Gesamt: 6107)
Strecke: Enfield Island Village (10:15 Uhr) - Dover (20:00 Uhr)
Wetter: bewölkt, 23°

Scheint nach dem Krabbeln aus dem Zelt an diesem Samstag Morgen noch die Sonne, so zieht es sich rasch immer weiter zu. Bereits als wir den Campingplatz verlassen, ist von blauem Himmel nichts mehr zu sehen.
Entsprechend dem, was wir von einer neben uns aus Osnabrück mit einem alten Bus angereisten Familie erfahren haben, führt der Weg nach London entlang eines Netzes aus Kanälen bis an die Themse. Mal sind die Wasserwege umgeben von Grünanlagen, ein anderes Mal sind es Industriegelände, dann Wohnhäuser, bis es schließlich das Olympiastadion ist. Auf dem Wasser tummeln sich Ruderer, Paddler, Enten und stellenweise so viel Dreck, dass es eher unverständlich ist, wie es einen freiwillig in oder auf diese Brühe zieht. Auch der Fahrradweg weiß mit Überraschungen aufzuwarten. Brückenaufgänge mit Stufen kennen wir zwar schon, zu passierende Tunnels mit einer maximalen Höhe von anderthalb Metern sind für uns hingegen neu; da kommt es gelegen mit Vertretern zu sprechen, die sich für den Ausbau der Radwege einsetzen.
Hatte ich bezüglich der Stadt selbst die Vorstellung, dass es auf den Straßen am Wochenende ruhiger zugehen könnte, so werde ich eines Besseren belehrt. Zunächst ist es der Victoria Park, in dem ein alljährlich stattfindendes Spektakel die Massen anzieht – das Lovebox Festival steht bevor. Bis zur Tower Bridge gelangen wir über ausgeschilderte Radwege, auf denen wir ungehindert vorbei kommen und ein Bild von der Stadt präsentiert bekommen, wie es wahrscheinlich nur wenige Tagesgäste erleben. Ab dem Tower hingegen sind wir Teil derer, die Straßen und Bürgersteige überquellen lassen. Als dann in den Häuserschluchten die elektronische Orientierungshilfe durcheinander kommt und es Ute zuweilen zu langsam voran geht, sehe auch ich mich überfordert und mir geht die Lust an der Fahrt vorbei an den Sehenswürdigkeiten verloren. Aus dem Hyde Park heraus erspähe ich schließlich das vertraute geschwungene M der amerikanischen Hamburger Braterei und ich komme auf die irrige Idee, ein Imbiss könnte uns weiterhelfen – weit gefehlt. Ich bin es, der sich in das Gewühl stürzt. Bis ich an einer der Kassen, derer es mindestens ein Dutzend gibt, an der Reihe bin, geht es verhältnismäßig schnell. Dass sich die aufgetragene Bestellung nicht eins zu eins umsetzen lässt, ist mir bereits klar, als ich nach meinen Wünschen befragt werde und mit Alternativen glänzen kann. Nachdem das Geld seinen Besitzer gewechselt hat und die Dame auf der anderen Seite des Tresens sich aufmacht, das Menü zusammen zu suchen, beginnt allerdings die Zeit des Wartens. Eine gefühlte Viertelstunde später spricht mich die Bedienung der Kasse nebenan an, ob sie mir weiter helfen könne. Ich antworte ihr, dass bereits eine Kollegin für mich tätig ist, diese aber möglicherweise zwischen Fritteusen und Lagern verschollen sei – missing in action. Wie auch immer, man mag mich nicht länger sehen oder hat einfach nur Erbarmen, und Minuten später stehe ich Ute mit den beiden Bechern Limo und der braunen Tüte mit den Fressalien gegenüber. Ich kann ihr schon eine spöttische Bemerkung im Gesicht ablesen und warne sie vorsichtshalber, dass jedes falsche Wort ungeahnte Folgen haben könne, woraufhin meine Frau tatsächlich von den auf der Zunge liegenden Kommentaren absieht und wir uns ein Plätzchen zum Essen suchen.
Von einer Bank aus beobachten wir, vor uns hin mampfend, wie ein junger Mann Tauben füttert. Obwohl ich ihm wünsche, dass ihn ein Klecks der Ratten der Lüfte ereilt, bleibt er verschont und es sind die unbeteiligten Passanten, die sich mit den Hinterlassenschaften herum ärgern müssen, doch auch wir haben Glück.
Als wir unsere Futterstelle verlassen ist die Wolkendecke wieder aufgerissen. An der Speakers Corner gibt niemand seine Weisheiten zum Besten, zahlreiche Menschen liegen statt dessen in der Sonne oder im Schatten oder spazieren herum. Nachdem uns ein Blick in die Downing Street verwehrt bleibt, ich Ute die „Houses of Parlament“ für die „Westminster Abbey“ verkaufe und wir auf der anderen Seite der Themse vor der Waterloo Station stehen, beschließen wir, auf die Weiterfahrt nach Greenich mit einem Blick auf die „Cutty Sark“ zu verzichten und uns statt dessen mit dem Zug nach Dover fahren zu lassen.
Der Kauf der Fahrkarten verläuft noch einigermaßen unproblematisch, dann beginnt ein neues Abenteuer – Bahnfahren in England. Zunächst der positive Aspekt: der Transport der Räder kostet nichts, nur die Woche über während der Stoßzeiten wird die Mitnahme ausgeschlossen. Interessiert mich eigentlich nicht, wir haben noch immer Samstag. Der Zug, den wir zu nehmen haben, fährt ab Gleis C – schon eher spannend, da ebenerdig nur die Gleise 1 bis 20 oder so existieren. A, B und C, oder gar auch noch D, sind eine Ebene höher gelegen. Dank der Hinweise eines Uniformierten finden wir aber eine Fahrstuhl, so dass uns der Weg über die Rolltreppe erspart bleibt. Vertraut dann die Unfreundlichkeit des Bediensteten den ich danach befrage, wo denn das Abteil sei, in dem wir mit den Rädern nicht im Wege stehen. Wir kommen uns vor wie in Deutschland. Es ist die Art und Weise wie der Mann uns mitteilt, dass das so nicht vorhersagbar sei. Entweder ist es der erste Wagen, oder der letzte. Ob der Mann denn seinen Beitrag leisten könne, dass der Zug nicht ohne uns und unsere Räder das Gleis verlässt – Grummel, Grummel, Grummel; irgendwie gelingt es uns auf jeden Fall. Im Zug selbst steht bereits ein junger Mann mit einem Rad. Wie auch immer, es gelingt uns, unsere Drahtesel zu verkeilen und zu fixieren und selbst noch einen Sitzplatz zu ergattern. Bei 1¾ Stunden Fahrt nicht ganz unwesentlich, wobei der Wagen ziemlich voll ist und die Luft entsprechend dick. In regelmäßigen Abständen bekommen nicht nur wir zu hören, dass auf halber Strecke der Zug geteilt werde. Die erste Hälfte der Wagen fährt weiter bis Ramsgate, der hintere Teil wird abgekoppelt; wir sitzen in Wagen zwei und ab irgendeinem Bahnhof übt sich das Pärchen hinter uns darin, den Text synchron mitzusprechen, während bei Ute Übelkeit aufkommt und ich mich durch Formentera Strandbuden Erlebnisse lese.
In Dover dann zwei weitere Fahrten mit dem Aufzug, um mit den Rädern vor dem Bahnhof zu stehen und auf ein Hotel zu blicken, das noch freie Zimmer hat. Glücklich, nicht erst gegen 20:00 Uhr noch auf die Suche nach einem Quartier gehen zu müssen, entschließen wir uns für das angebotene Familienzimmer. 50 Pfund haben wir auch schon andernorts gezahlt, auch wenn diesmal kein Frühstück im Preis enthalten ist. Was ich allerdings bei einem ersten Blick in die Räumlichkeiten übersehe ist, dass die Badewanne über keine Dusche verfügt. Auch sonst stellt sich das „Hotel“ eher als schäbige Absteige dar, doch die Bedienung ist freundlich und hilft sogar beim Tragen der Taschen. Ute bringt dafür vor der Tür in Erfahrung, dass das Konzert unter uns bis 04:00 Uhr Morgens gehen soll. Nein, kleiner Scherz, man beginne gegen 21:00 Uhr und werde wahrscheinlich nach anderthalb Stunden fertig sein.
Als ich in der Badewanne sitze ist denn tatsächlich die Basstrommel nicht zu überhören, auch weitere Klangproben gelangen nahezu ungefiltert zu uns empor, doch warum nicht zum Abschluss noch ein paar Takte Live Musik. Es ist schließlich der Hunger beziehungsweise Appetit verbunden mit dem fehlenden Vertrauen in die Küche des Hauses, der uns nach dem Bad noch einmal vor die Tür treibt und uns bei einem Italiener Einkehr finden lässt. Statt Pizza genießen wir gebratenen Lachs, lassen auch noch einen Nachtisch und eine Tasse Muntermacher folgen und kommen rechtzeitig zum Finale des Bandauftritts gegen Mitternacht zurück in unsere Unterkunft. Wir wippen noch ein wenig zur Musik, dann ist Sonntag und die Musiker verabschieden sich – wie auch wir.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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