Reisetagebuch

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Bilder

2013-09-01

128. Tag: 62 Kilometer (ohne Bahnfahrt und Fähren, ansonsten 119; Gesamt: 9472)
Strecke: Vila Franca de Xira (09:30 Uhr) - Tróia (19:00 Uhr)
Wetter: sonnig/diesig, 28°

Ich werde an diesem ereignisreichen Sonntag mit dem Gedanken daran wach, mit was für einem Blödsinn ich den Bericht des Vortags begonnen habe: Start in die 18'te Woche. Mal wieder fasziniert mich mein Unterbewusstsein – es ist bereits die 19'te Woche, in der ich unterwegs bin. Auch wenn mich noch keiner auf den kleinen Denk- beziehungsweise Rechenfehler aufmerksam gemacht habe, so sollte der Fehler in der Internet Fassung mittlerweile behoben sein; wer den Newsletter empfängt, kann ihn noch nachvollziehen. Vereinzelten E-Mails, die ich empfange, kann ich zumindest entnehmen, dass es noch den einen oder anderen Leser gibt, wenngleich ich auch Rückmeldungen erhalte, das ich zu viel schreibe. Letzteres bitte ich im Zweifelsfall damit entschuldige, dass die Aufzeichnungen auch für mich sind und ich möglichst viel von dem festhalten möchte, was ich erlebe und was mich bewegt.
Ein wenig früher als sonst gelingt mir gut zwei Stunden nach dem Weckruf der Aufbruch. Im Gegensatz zu anderen Tagen endet die Fahrt aber auch rasch wieder, nämlich dort, von wo aus ich am Vorabend das Taxi zum Campingplatz genommen habe – am Bahnhof. Am Schalter erstehe ich für kleines Geld, 2,30 Euro, ein Ticket, das mich zur Fahrt nach Alcântara-Terra berechtigt. An sich wollte ich zur Station Belém fahren, doch der Mann hinter dem Schalter erklärt mir, dass die beiden Bahnhöfe nicht weit auseinander lägen, und mit dem Rad ist es ohnehin nur ein Katzensprung. Also gut. Meine Bahn geht von Gleis 2, Gleis 1 überquere ich per Fahrstuhl, muss nur wenige Minuten warten, dann rollt der Zug ein. Das Rad kann ich auf einem entsprechenden Stellplatz verzurren, dann geht es los. Die Fahrt dauert eine gute ¾ Stunde. Das, was ich aus dem Fenster sehe, bestätigt mich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, indem ich die Strecke nicht radle. Bürogebäude, Lagerhallen, Autobahnen, Fabriken – nur selten sieht man den Tejo. Ähnlich hätte meine Route mit dem Rad auch ausgesehen. Der Bahn wieder entstiegen muss ich mich erst mal orientieren. Wie gelange ich am günstigsten auf die ausgearbeitete Tour. Nach wenigen Schlenkern ist der Fluss in Sicht und die Richtung ist klar. Mein erstes Anlaufziel: Torre Belém, laut Internet das Wahrzeichen der Stadt. Zuvor liegt noch ein Monument auf dem Weg, in Erinnerung an die Seefahrerzeiten, dann stehe ich vor dem Turm. Nichts Bewegendes, nichts Aufregendes, aber offensichtlich ein touristischer Anziehungspunkt. Als nächstes geht es weiter zum nächsten Monument nur wenige Hundert Meter weiter – Monumento Aos Combatentes Do Ultramar Memorial. Irgend was in Gedenken an Soldaten. In Wachhäuschen stehen Soldaten in weißer Uniform, das Gewehr in der Hand, ein Stück zuvor ein Museum, vor dem ein Passant einen weiteren Vertreter der Streitkräfte darauf aufmerksam macht, dass der Mann eine der Schulterklappen falsch herum trägt. Weiter entlang des Flussufers einmal mehr der offene Atlantik, doch für mich geht es in entgegengesetzter Richtung in die Landeshauptstadt. Auf dem Wege dorthin, nur unweit des gerade zuvor besuchten Wahrzeichens, noch ein Abstecher zum Kloster Dos Jerónimos, wo eine Menschenschlange auf den Eintritt wartet. In der Stadt selbst empfinde ich es als vergleichsweise ruhig. Vielleicht liegt es an der noch frühen Stunde – 12 Uhr Mittags. Vor den Restaurants stehen die Kellner mit Speisekarten in der Hand, bereit, Unentschlossene an die Tische zu locken. Trotz Sonntag haben viele Geschäfte geöffnet, als ich langsam über eine der Flaniermeilen rolle. Beeindruckender finde ich eher Lage der Stadt. Steil geht es Hügel hinauf, die Häuser bilden enge Gassen, im wahrsten Sinne des Wortes ein steiles Pflaster. So steil, dass ich einen Teil meiner Route abkürze und Rückweg antrete. Auf jeden Fall ist mir daran gelegen, eine Straßenbahnlinie zu finden, die einen der Hügel in entsprechend nivellierter Weise rauf und runter fährt, und ich meine Bemühungen werden belohnt. Die Bahn selbst fährt anscheinend nur noch für die Besucher der Stadt, anders kann ich mir die 3,60 Euro Fahrpreis in Relation zu meinem Bahnticket nicht erklären – aber es sieht in der Tat witzig aus, wie die Fahrgäste in den waagerecht ausgerichteten Waggons die steile Straße rauf oder runter gefahren werden.
Den Abschluss meiner Besichtigungsrunde bildet der Besuch eines nicht gerade ortstypischen Restaurants, aber im Vorbeifahren komme ich an der Tafel mit dem Hinweis auf Flammkuchen nicht vorbei. Dass mich der Spaß inklusive Salat und großem Radler keine 10 Euro kostet, bestätigt meine Einschätzung, dass man in Portugal preiswert Urlaub machen kann. Lediglich die Sonnenbrillenverkäufer nervten ein wenig, sahen sie in mir, ohne dunklen Gläsern vor den Augen, ein Opfer, dem sie unbedingt ihre namhaften Produkte zu einem „very good price“ andrehen wollten; auf meinen Hinweis, dass ich bereits über eine Sonnenbrille verfüge, folgte als nächstes der Versuch, mir eine Armbanduhr zu verkaufen, da auch ein derartiges Exemplar nicht mein Handgelenk ziert, doch auch derartige „special offer“ blieben erfolglos.
Gegen 15:00 Uhr setze ich mit einer Fähre über nach Montijo. Auf der Überfahrt lerne ich dabei ein jüngeres Pärchen aus Hamburg kennen. Die beiden Hansestädter verbrachten zwei Tage in Lissabon, haben sich ein Wagen gemietet und wollen noch ein paar Tage Erholungsurlaub folgen lassen. Sie haben sich besser über die Stadt informiert als ich und so erfahre ich von ihnen, dass in den letzten Jahren fast ein Drittel der Einwohner den Rücken gekehrt hat, was viele verrammelte Türen alter Gebäude erklärt. Außerdem seien die beiden vor Langfingern gewarnt worden, doch wie meiner blieb auch ihr Besuch Lissabons ohne derartige Zwischenfälle.
Die Weiterfahrt nach Setúbal ist wieder unspektakulär. Der Einzugsbereich der Metropole ist noch deutlich zu anzumerken, dichte Bebauung und all die Gebäude am Straßenrand, die nicht unbedingt zur Verschönerung beitragen. Von Setúbal aus dann die nächste Fähre, die mich auf eine Landzunge bringt, die auf beiden Seiten vom Meer umgeben ist. Auch diese 7 Kilometer Überfahrt kosten mich keine 4 Euro, wofür ich neben dem Transfer die Aussicht auf Eimer große Quallen geboten bekomme.
Wie bereits eingeplant schlage ich mein Zelt an diesem Abend am Strand auf. Der Weg dorthin führt die letzten Meter durch tiefen Sand, durch den ich das Rad schieben muss. Im Zuge der Anstrengungen passiert es, dass mein Schließmuskel seiner Aufgabe nicht nachkommt, die ihm den Namen verleiht – beschissene Angelegenheit! Warum ich dieses Malheur erwähne, dass an sich keinen etwas angeht? Mir ist daran gelegen an diesem Beispiel deutlich zu machen, dass nicht alles während dieser Tour Friede, Freude, Eierkuchen ist. Umwege, Anstiege, feuchtes Zelt und so weiter sind nicht die einzigen Unannehmlichkeiten, die mir widerfahren. Mein erstes Bad im Atlantik dient daher weniger der Erfrischung als vielmehr dem Bestreben, einigermaßen sauber in frische Klamotten zu kommen. Auch die Wäsche von T-Shirt und Radler ist eher eine klebrige Angelegenheit im Salzwasser, aber ich habe es ja nicht anders gewollt. Die Unterhose hingegen schreibe ich ab und verscharre sie im Sand.
Mit dem Untergang der Sonnen, der nicht viel später folgt, verziehe ich mich in das Zelt. Gerne hätte ich noch ein wenig „Lagerfeuerromantik“ genossen, wenngleich der Kocher aufgrund noch immer angeregter Magen/Darm-Tätigkeiten ohnehin ausgeblieben wäre, aber es sind die Moskitos, die in mir ein willkommenes Opfer sehen und vor denen ich flüchte.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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