Reisetagebuch

2013-04-...
2013-05-...
2013-06-...
2013-07-...
2013-08-...
2013-09-01
2013-09-02
2013-09-03
2013-09-04
2013-09-05
2013-09-06
2013-09-07
2013-09-08
2013-09-09
2013-09-10
2013-09-11
2013-09-12
2013-09-13
2013-09-14
2013-09-15
2013-09-16
2013-09-17
2013-09-18
2013-09-19
2013-09-20
2013-09-21
2013-09-22
2013-09-23
2013-09-24
2013-09-25
2013-09-26
Bilder

2013-09-14

141. Tag: 0 Kilometer (Gesamt: 10409)
Strecke: Tarifa - Tagesausflug Tanger
Wetter: bewölkt, 27°

Der Samstag beginnt wie gewohnt für mich um 08:00 Uhr, doch hätte ich bequem noch eine halbe Stunde länger schlafen können. Wie am Vortag ist es bewölkt draußen, doch ist dies nicht der Grund – das im Preis enthaltene Frühstück gibt es zwischen 09:00 Uhr und 12:00 Uhr, und als ich um 08:45 Uhr verwundert nach der Cafeteria suche, komme ich mir vor wie der Bewohner eines Seniorenheims.
Ohne in zeitliche Bedrängnis zu geraten, bin ich um 10:30 Uhr am Hafen, bezahle die 55 Euro für die Überfahrt mit Stadtführung nach beziehungsweise in Tanger, und warte. Um 11:00 Uhr soll das Boot ablegen, die Überfahrt 35 Minuten dauern, doch alles verzögert sich und dauert länger, so dass ich erst um 12:45 Uhr mit Marokko afrikanischen Boden betrete. Bis dahin lerne ich zwei jüngere deutsche Pärchen kennen. Von dem ersten leihe ich mir einen Kugelschreiber, um die Formulare zur Ein- und Ausreise auszufüllen. Name, Vorname, Geburtsdatum und -ort, Beruf, wann und wo der Ausweis erstellt wurde, welche Nummer er trägt, was der Grund des Besuchs von Marokko ist, wohin man will, woher man kommt – furchtbar spannend alles, ich frage mich, wer das jemals liest und was mit den Daten geschieht. Interessanter ist es für mich von dem Pärchen zu erfahren, dass die beiden mit dem Auto quasi in entgegen gesetzter Richtung zu mir reisen und in Gibraltar am Vortag waren, bei der Ausreise drei Stunden warten mussten, da die Zöllner eine Vielzahl von Grenzgänger untersuchten, als würde das Schengener Abkommen zwischen England und Spanien nicht gelten. Nach Tanger sind die jungen Leute mit dem Koffer unterwegs, sie haben eine zweitägige Tour gebucht und übernachten demzufolge in der Stadt. Das andere Pärchen kehrt wie ich am gleichen Tag wieder zurück, trägt aber im Gegensatz zu meinem roten Aufkleber am T-Shirt gelbe Etiketten. Wie wir herausfinden, habe ich die preiswerte Führung durch die Stadt gewählt, die den Besuch der Altstadt einschließt, während es für fünf Euro mehr Kultur zu sehen gibt. So bekomme ich weder die Grotten des Herkules zu sehen noch eine Führung durch den Sultanspalast, darf dafür aber durch den Basar schlendern und bekomme Freizeit geboten. Die Reisegruppe, in der ich lande, besteht aus acht Spaniern, einem italienischen Pärchen, zwei junge Damen aus Münster und wird von Achmed, unserem multilingualen Kenner der Stadt angeführt, während Raschid im ersten Teil den Kleinbus sicher durch die Straßen manövriert. Was im fließenden Verkehr eindeutig zu kurz kommt, sind Stopps, um in Ruhe auf den Auslöser zu drücken. Da lob ich mir doch die Fahrt mit dem Rad in Eigenregie. Im Gegenzug werden wir von Achmed mit mehr Informationen versorgt, als ich behalten kann: in Tanger leben im Winter eine Million Menschen, im Sommer können es auch schon mal doppelt so viele sein, hier die Neustadt, so soll der künftige Hafen aussehen – wir blicken auf eine Baustelle sowie eine Plakatwand mit einem Modellfoto, dort die Altstadt, der-und-der Platz, die-und-die Straße, der Amtssitz des Bürgermeisters, der Königspalast, Moschee, Synagoge, katholische Kirche, Reitschule, Diplomatenviertel, Siedlung der Reichen, in der der Quadratmeter Bauland zwischen 3000 und 5000 Euro kostet, wo das Geld herkommt, von der Frage mögen wir absehen, Achmed wird sie uns nicht beantworten können. Was unser Führer hingegen weiß ist, dass die Bordsteine einen frischen Anstrich erhalten, da der König der Stadt einen Besuch abstattet, dass die großen Taxis deutsche Kamele genannt werden, es handelt sich dabei um vertraut aussehende cremeweiße Mercedes 240 und 250, bei den kleinen Droschken sind Dachias und Fiats im Einsatz, dass die Amtssprache arabisch ist, die erste Fremdsprache französisch, ach ja, und hier ein Stop Schild mit arabischen Schriftzeichen, klar, liest man von rechts nach links, und dort der Beweis, dass auch wir Besucher diese Schrift lesen können – ein Reklameschild der amerikanischen koffeinhaltigen Limonade in der bekannten bauchigen Flasche.
Nach einem Halt mit der Gelegenheit, für zwei Euro eine Runde auf dem Rücken eines Dromedares zu drehen, das Fotografieren ist kostenlos, geht es weiter beziehungsweise zurück in die Altstadt. Wurden wir bei den Wüstenschiffen nur von einem Händler belagert, der Abnehmer für seinen Schmuck sucht, so haben wir bei dem Gang durch die Gassen ständig jemanden um uns herum. Nachgemachte Uhren namhafter Hersteller, man macht erst gar keinen Hehl daraus, dass es sich um Imitate handelt, T-Shirts international bekannter Fußballclubs, marokkanische Handarbeiten, oder einfach nur ein paar Euro ohne Gegenleistung, alles wird versucht, um den Touristen das Geld aus der Tasche zu locken, manchmal auch mit einer schon nervenden Penetranz. Das im Programm enthaltene Mittagessen gibt es in einem zweigeschossigen Restaurant, wir sitzen vor einem tiefen Tisch und bekommen Suppe, Fleischspieße, Hähnchen mit Couscous, eine süße Nachspeise sowie einen Pfefferminztee schneller serviert, als wird die Teller leeren können; dafür werden wir ebenso im Eiltempo nach dem Bezahlen der Getränke wieder hinaus komplementiert, um Schlangenbeschwörer, den Basar, diverse Läden und das Hotel Continental zu besuchen und uns mit Teppichen, Tüchern, Ölen, Kräutern und was-weiß-ich-nicht-was eindecken zu können. Überall gibt man sich Mühe, wirbt mit gucken-kostet-nichts, gibt dann aber nicht auf, wenn man versucht, ohne Einkauf die gute Stube zu verlassen. Es ist schon eine andere Welt, in die wir eintauchen. Kleine und kleinste Geschäfte, ein Händler hilft dem anderen, wenn auch nur ansatzweise Interesse für etwas zu erkennen ist, und die Vorführungen der Produkte haben durchaus Unterhaltungswert. Herausragend empfinde ich den jungen Berber, der uns in leicht gebrochenen Deutsch, also den beiden Damen und mir, diverse Naturheilmittel nahe bringt, beim Betrachten meiner Haarpracht erkennt, dass er mir mit einem Haarshampoo, das gut für die Haarwurzeln ist, ebensowenig weiterhelfen kann wie mit dem Öl gegen Schwangerschaftsstreifen, dafür aber die Vorzüge schwarzen Kümmels gegen das Schnarchen anpreist, oder half da eines der anderen Kräuter? Egal, beim Preis zweier Produkte gibt es ein drittes gratis dazu, schließlich wird in der Apotheke nicht um den Preis gefeilscht.
Mit der Fahrt zurück nach Tarifa verhält es sich dann so wie auf dem Hinweg. Alles zieht sich in die Länge, zu guter Letzt öffnet sich eine Schiffsluken nicht und alles staut sich, um die Katamaran Fähre wieder zu verlassen beziehungsweise den Weg durch die Passkontrollen zu bahnen, so dass ich erst gegen 21:30 Uhr wieder im Hotel eintreffe. Kamera und Mütze werden schnell auf das Bett geworfen, das Hemd übergezogen, dann geht es rüber zum Italiener – ich bin hungrig. Mit einer Lasagne und einem Salat lässt sich dem beikommen, und verabrede ich mich bei den letzten Bissen noch mit Ute, eine halbe Stunde später und am besten per Internet die jüngsten Neuigkeiten auszutauschen, so kommt diesem Ansinnen ein Konzert auf dem Weg in die Unterkunft entgegen. Ein Trio jazzt stimmungsvoll unter freiem Himmel in einer Bar. Stimmungs- und temperamentvoll begeistert ein Trio bestehend aus Sängerin, Flamenco Gitarristen und einem dunkelhäutigen Herrn am Bass immer mehr Zuhörer, bis um Mitternacht die Klänge verstummen mit dem Hinweis auf die Ordungshüter, die etwas gegen längere Live Auftritte in dieser Form haben.
Dass in der Nachbarschaft bis nach 02:00 Uhr Musik aus der Konserve durch die Gassen hallt, scheint im Gegensatz zu Formentera hier niemanden zu stören.
Aus der Verabredung mit Ute zum Quatschen wird dann nichts mehr. Nicht, dass es bereits zu spät geworden wäre, aber im Hotel scheint der Internetzugang abgeschaltet zu sein und die engen Gassen Tarifas sorgen dafür, dass auch über das Mobilfunknetz keine stabile Verbindung zustande kommt; entsprechend bleibt es bei einer kurzen SMS mit dem Hinweis, Ausführlicheres bei nächster Gelegenheit mitzuteilen.




Bericht zurück
2013-09-13
Seitenanfang
2013-09-14
Bericht vor
2013-09-15



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




Newsletter

Sie wollen per E-Mail über neue Einträge auf dieser Seite informiert werden?
Kein Problem!
Klicken Sie auf Newsletter und folgen Sie den dort beschriebenen Anweisungen.




Live Vortrag

Zurzeit ist leider nichts geplant, die Liste unter Vorträge wird jedoch ständig aktualisiert.
Falls Sie selbst Interesse haben, mich einzuladen oder Sie einen Veranstalter kennen, treten Sie gerne mit mir in Kontakt. Es erwarten Sie unterhaltsame anderthalb bis zwei Stunden Fotoshow mit live vorgetragenen Erlebnissen und Anekdoten sowie Musik untermalten Passagen. Für Fragen oder einen kleinen Plausch stehe ich Ihnen während einer kurzen Pause oder im Anschluss gerne zur Verfügung und ich würde mich freuen, Sie persönlich kennen zu lernen!




Werbung in eigener Sache

Der Reisebericht der Radtour 2011 von Köln über Barcelona nach Formentera ist unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) als E-Book für kleines Geld im Handel erhältlich.

Kennen Sie das?
Sie haben den Supermarkt gerade hinter sich gelassen da fällt Ihnen ein, was Sie unbedingt besorgen wollten - dann aber doch vergessen haben. Das ist nicht nur on tour blöd, sondern Zuhause ebenso. Und da Stift und Zettel sich häufig genug nicht in greifbarer Nähe befinden, der kleine elektronische Störenfried hingegen schon und weil es obendrein viel praktischer ist: verwenden Sie, sofern Sie es nicht bereits tun, Pruedis Einkaufsliste.
Die App für Ihr Android Smartphone, der Sie nicht nur vertrauen können, die Sie nicht mit Werbung belästigt, die auf das Wesentliche reduziert ist, die sich einfach bedienen lässt und die auch dort funktioniert, wo es vielleicht mal kein Internet gibt.
Sie kennen Pruedis Einkaufsliste noch nicht? Dann wird's aber Zeit - jetzt kostenlos testen!